Aktuelles

Zur Übersicht

13.08.2019 | Abgeordnetenbüro | Bayreuth/Passau. | Walter Taubeneder MdL

Taubeneder und Waschler nach dem Besuch am Medizincampus Oberfranken in Bayreuth

Medizincampus Niederbayern: Realisierbar als innovatives Kooperationsmodell mit Universität Passau – Hochschule Deggendorf – Klinikum Passau – Kooperationspartner in Deggendorf/ Metten und dem Bezirk Niederbayern

„Mit einem Medizincampus Niederbayern nach dem Muster des Medizin-campus Oberfranken mit den Standorten Bayreuth und Erlangen/Nürnberg könnten wir in Zukunft umfänglich auch in Niederbayern jungen Menschen eine Ausbildung zur Ärztin oder zum Arzt ermöglichen und damit die Zahl der Medizinstudienplätze in Bayern weiter erhöhen“, so MdL Walter Taubeneder und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler im Nachgang ihres
Informationsbesuchs des Mediencampus Oberfranken in Bayreuth.


Ein innovatives Kooperationsmodell Universität Passau – Klinikum Passau (Uniklinikum) – Kooperationspartner in Deggendorf/Metten und dem Bezirk Niederbayern – wäre nach einem Besuch des Standorts Bayreuth durch die Passauer Abgeordneten Taubeneder und Waschler ein schwieriger, aber mittelfristig durchaus realistisch gangbarer Weg. „Mit einem ähnlichen Konzept wie in Bayreuth könnten wir dazu beitragen, die Ärzteversorgung vor Ort noch bes-ser sicherzustellen und die gesamte Region zu stärken“, so Taubeneder und Waschler.

Um die Bindungen von Studieninteressierten aus der Region zu erhalten, müsste der neue Studiengang „Humanmedizin Niederbayern“ mit dem ersten Studienabschnitt (Vorklinikum) jedoch am nächstgelegenen Standort in Regensburg oder in Standorten im Ausland beginnen, beispielsweise auch aus dem Modell des Bezirks Niederbayern mit der Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems. Eine Vorklinik an der Universität Passau aufzubauen wurde von allen Experten unisono aus finanziellen, strukturellen und fachlichen Gründen als „unrealistisch“ bezeichnet.
Die Ausbildung im zweiten (klinischen) Studienabschnitt könnte jedoch nach der Vorklinik am Medizincampus Niederbayern in Passau und Deggendorf /Metten erfolgen. 
Landrat Hermann Hübner des Landkreises Bayreuth sieht das Klinikum in Bayreuth „als den Schlüssel für die aktuelle Realisierung des Medizincampus nach rund zehn Jahren Vorlauf“ an.

Im Unterschied zum Klinikum Passau sei jedoch das Klinikum Bayreuth seit jeher „Maximalversorger“ der sogenannten „dritten Versorgungsstufe“, so der Ärztliche Direktor am Klinikum Bayreuth, Prof. Dr. Thomas Rupprecht. Diesen Weg zum Maximalversorger müsse man in Passau unabdingbar notwendig vor der Planung eines klinischen Studienabschnittes gehen, da die Studenten auch an versorgungsschwierigen Fällen lernen müssten. Zudem müssten für den klinischen Ausbildungsabschnitt alle medizinischen Fachgebiete in erreichbarer (fußläufiger) Nähe vorhanden sein. Eine Kooperationslösung über mehrere Standorte hält er für unrealistisch.

Da die Gutachter für das Modell in Bayreuth erwarten, dass es gut zehn Jahre dauern dürfte, bis sich dieser regionale Effekt, eventuell gemeinsam mit der sogenannten Landarztquote, spürbar auswirken und die medizinische Versorgung in Oberfranken verbessern wird, darf jetzt keine Zeit unnötig für das Modell in Niederbayern verloren werden, so die Passauer CSU-Abgeordneten Taubeneder und Waschler: „Mit dem Medizincampus Niederbayern würden wir aktuell spürbar dazu beitragen, dass die medizinische Ausbildung und Versorgung in Bayern weiter verbessert wird. Schon die bestehenden Standorte in Niederbayern – zum Beispiel mit den Schwerpunkten Neurologie in Deggendorf, der Kinderklinik Dritter Orden Passau sowie der Psychiatrie des Bezirks Niederbayern in Mainkofen, um nur ganz wenige zu nennen,  verfügen nicht nur über eine traditionsreiche Medizin, sondern auch über Bettenzahlen, die in der Summe an die vom Ministerium für ein Campusklinikum geforderte Zahl von 1000 Betten berücksichtigt werden könnte“, so die Abgeordneten in ihrer Bewertung nach Rücksprache mit den ausgewiesenen Fachexperten. Dazu kommen aus der Sicht der Abgeordneten weitere Alleinstellungsmerkmale durch die Kooperation mit dem Universitätsstandort in Passau und der Hochschule Deggendorf. Angewandte Informatik, Forschung in Künstlicher Intelligenz und Big Data werden in Zusammenhang mit Telemedizin die Zukunft für unsere Region öffnen, so die Abgeordneten. Nun gelte es die entscheidenden Schritte in Anlehnung an die Abläufe in Bayreuth einzuleiten, wo jedes Jahr rund 36 Millionen Euro für den Medizincampus Oberfranken bei Vollausbau einschließlich der Profilprofessuren der Universität Bayreuth eingestellt werden.

Mit einer ähnlichen Größenordnung kann ein tragfähiger Medizincampus Niederbayern mit der passgenauen Ausweisung zusätzlich notwendiger Profilprofessuren geschaffen werden, sind die Abgeordneten überzeugt. Da ein Universitätsklinikum in der Lage sein muss, die wesentlichen Voraussetzungen für Forschung und Lehre abzubilden, müssen alle medizinischen Fachgebiete der Approbationsordnung in der ärztlichen Ausbildung – derzeit 18/19 an der Zahl - berücksichtigt werden, so die Abgeordneten. In Passau sind derzeit 13 Fachgebiete vertreten. Die Kooperation mit benachbarten Standorten sei hierbei der eine Teil der Lösung. Der andere Teil der Lösung sei durch einen zielgenauen Aufbau von Profilprofessuren zu leisten, die den Aufbau in Richtung dritte Versorgungsstufe, also Vorlage eines umfassenden und differenzierten Leistungsangebots sowie entsprechender medizinisch-technischer Einrichtungen zur Erfüllung der Grundversorgung in Diagnose und Therapie sowie überörtlicher Schwerpunktaufgaben, ermöglicht.

Vor den wohl tiefgreifendsten Veränderungen stünde nach den Eindrücken der Abgeordneten aus dem Besuch in Bayreuth wohl das Klinikum Passau und das nicht nur unter baulichen und infrastrukturellen Gesichtspunkten. Als Lehrkrankenhaus des Uniklinikums Regensburg sei jedoch eine solide Grundlage für eine umfassende Lehre im klinischen Abschnitt gelegt. Die „klinischen Lücken“ am Klinikum der Stadt Passau auf dem Weg zum Uniklinikum Niederbayern, „können mit entsprechendem finanziellen Einsatz mit Sicherheit sorgfältig und mit hohem akademischen Anspruch geschlossen werden“, so Taubeneder und Waschler.

Wie in Bayreuth gilt als Fazit – aus der Sicht der Abgeordneten und im Einklang mit Fachexperten - deshalb nun zur Realisierung der ersten Schritte hin zu einem Medizincampus Niederbayern für den Bezirk Niederbayern, für Uni und Klinikum Passau sowie alle Kooperati-onsstandorte:
1)    Entwicklung eines abgestimmten, tragfähigen und realisierbaren Konzepts – differenziert nach Aufgaben in personeller und baulicher Hinsicht - mit allen Rahmenbedingungen für die künftige Beurteilung durch das Ministerium und den Wissenschaftsrat.
2)    An dominanter Stelle steht der realisierbare Aufbau des Klinikums Passau zu einem „Maximalversorger“ der dritten Versorgungsstufe. Ausweitung auf alle ärztlichen Fachgebiete unter Einbeziehung der Kooperationspartner mit insgesamt rund 20 habilitierten Fachvertretern sowie insgesamt 1000 sog. Planbetten.
3)    Im Gleichschritt hierzu ist die Bereitstellung der für die schrittweise Umsetzung in personeller und baulicher Sicht notwendigen Haushaltsmittel zwingend erforderlich.


Ziel müsse es sein, im Medizincampus Niederbayern neben der qualitativ hochwertigen Patientenbetreuung eine akademisch geprägte Kultur zu etablieren. Dazu bedarf es auch einer Verankerung der Wissenschaftlichkeit im klinischen Studienabschnitt und des Aufbaus einer eigenen Forschungsinfrastruktur.
Eines der zentralen Ziele, das die Bayerische Staatsregierung mit dem Medizincampus Niederbayern anstreben muss, wäre damit ein gutes Stück nähergekommen, nämlich eine bessere ärztliche Versorgung außerhalb der Ballungsräume, so Taubeneder und Waschler. Junge Ärztinnen und Ärzte sollen die Möglichkeit haben, in der Region zu bleiben, in der sie ihre Ausbildung absolviert haben

„Der Medizincampus Niederbayern wäre ein großer und wichtiger Fortschritt für unsere kommunale Krankenversorgung und für unsere gesamte Region“, so Taubeneder und Waschler.
Die medizinische Qualität werde weiter steigen. Und: Mit dreistelligen Zahlen an zusätzlichen Studierenden und einer Vielzahl an neuen Arbeitsplätzen würde der Medizincampus zu den bedeutendsten Entwicklungszentren der kommenden Jahre in der Region gehören.

Foto: Klinikum Bayreuth: (v.l.) Dr. Reiner Hofmann, Uni Bayreuth; Prof. Dr. Thomas Rupprecht, Ärztlicher Direktor Klinikum Bayreuth; Bastian Pausewang, Technischer Direktor Klinikum; Alexander Mohr, Kaufmännischer Direktor Klinikum; MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler; Bayreuths Landrat Hermann Hübner und MdL Walter Taubeneder.




Zahlen und Fakten zum Medizincampus Oberfranken
o    2019: Noch in diesem Jahr werden die ersten Medizinstudentinnen und -studenten ihre Ausbildung an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beginnen.
o    2021: In zwei Jahren werden die ersten Studierenden in ihre klinische Ausbildung in Bayreuth starten.
o    2026: In sieben Jahren soll der Vollausbau des Medizincampus Oberfranken erreicht sein. Im Studiengang „Humanmedizin Erlangen-Nürnberg/Bayreuth“ werden dann rund 600 angehende Ärztinnen und Ärzte eingeschrieben sein und rund 400 in Oberfranken studieren.
o    36 Millionen Euro: Auf diesen Betrag werden sich nach die jährlichen Gesamtkosten für den Medizincampus Oberfranken bei Vollausbau einschließlich der Profilprofessuren der Universität Bayreuth belaufen.