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19.09.2022 | Stefanie Starke | Passau

„Unsere Sorge ist, dass wir in Zukunft weniger bekommen“

MdL Waschler tauscht sich mit Vertretern der Tafeln aus

Die Nachfrage an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs ist enorm gestiegen – „wir können einen starken Anstieg der Menschen und Familien verzeichnen, die wöchentlich zu uns zur Tafel kommen“, erklärt Sepp Fisch, Vorsitzender der Caritas in Hauzenberg, bei einem Austausch mit MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler.

Foto (Stefanie Starke): (v.l.) Sepp Fisch (Vorsitzender der Caritas in Hauzenberg), Reinhard Keller (Leiter der Tafel Hutthurm), Herbert Oberneder (Vorsitzender der Caritas Hutthurm) und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler.
„Alles ist teurer geworden: Strom, Butter, Mehl, Waschpulver, Babynahrung – die Menschen haben Angst, bald ihr Leben nicht mehr finanzieren zu können“, schildert auch Reinhard Keller von der Tafel in Hutthurm seine Eindrücke aus den letzten Monaten. Wo Anfang des Jahres noch etwa 80 Familien wöchentlich zur Tafel gekommen sind, um sich zu versorgen, sind es zwischenzeitlich weit über 100 Familien. Und gefühlt kann man in diesen Zeiten schnell selbst in die Situation kommen“, so Herbert Oberneder, Vorsitzender der Caritas in Hutthurm weiter.
Die Herren betonen in diesem Zusammenhang nochmals deutlich, dass die Arbeit der Tafeln in diesen Zeiten nicht wegzudenken sei. „Wir werden in den nächsten Jahren ein wichtiger Bestandteil in der Versorgungskette der Gesellschaft sein“, bitten sie um mehr Wertschätzung und vor allem auch Unterstützung der Tafeln seitens der Politik – „denn auch unsere Ausgaben steigen. Allein die Spritkosten. Wir müssen unsere Ware ja auch einsammeln.“ Zu den steigenden Kosten komme die Problematik, dass insgesamt die Warenspenden deutlich zurückgehen würden, weil die örtlichen Betriebe selbst zunehmend um ihre Existenz kämpfen. „Dadurch sind wir gezwungen mehr hinzuzukaufen. Die Firmen haben selbst nicht mehr die Kapazitäten, um die Masse an Waren bereit zu halten.“ Schließlich könne man niemanden wegschicken, der etwas zu Essen benötige. „Aber wir können natürlich auch nur das geben, was wir haben – wir sind kein Supermarkt“, will Reinhard Keller in diesem Zusammenhang nochmals betonen.
Im Zuge des Austauschs war es MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler ein wichtiges Anliegen, seine große Wertschätzung gegenüber dem ehrenamtlichen Engagement der zahlreichen Helfer zum Ausdruck zu bringen. „Aber auch wir haben die Sorge, dass uns die Helfer ausgehen – die Arbeit wird nicht weniger und wird größtenteils von Senioren geschultert. Wir brauchen Unterstützung, wo es nur geht“, so Sepp Fisch.
Ein positiver Nebeneffekt der derzeitigen Herausforderungen sei die wachsende Anerkennung der Bevölkerung für die Arbeit der Tafeln. „Klar, mittlerweile wird beispielsweise schon im Vorbeifahren gesehen, wie die Menschen bei uns wöchentlich Schlange stehen – wir werden plötzlich mehr wahrgenommen.“
Ein sehr großer Wunsch der Gesprächsteilnehmer ist zudem, dass sich weitere engagierte ehrenamtliche Helfer bei den Tafeln melden mögen, um die vermehrte Arbeit auf zusätzliche Schultern verteilen zu können.